Dein Matter-Portfolio ist nicht tot. Es steht im falschen Gebäude.

Warum der Ansturm, Matter in Büros zu verkaufen, ins Stocken geriet, und wo der Standard heute im Zweckbau passt.

Saara 5 Min. Lesezeit
A dark glass tower at dusk with a single warmly lit hotel guest room visible behind one open window
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Als Matter startete, passierte genau das, was man erwartet, wenn Apple, Google, Amazon und Samsung sich alle hinter denselben Standard stellen: Es begann fast sofort ein Hype. Wer wollte davon kein Stück abhaben? Unternehmen aus der ganzen Gebäudebranche nannten es eine Quelle neuer Chancen, und grosse Namen bauten im Eiltempo eigene Matter-Portfolios auf, überzeugt, dass dies die Welle war, die man reiten musste.

In Wohnungen fand Matter seine Käufer. In Büros blieben diese Portfolios grösstenteils im Regal liegen.

Niemand schreibt Matter für ein Bürohochhaus aus

Die Gebäudebranche ist keine schnelle Branche. Es dauert, bis aus mutigen, trendgetriebenen Projekten die normalen werden. Die Unternehmen, die in diesen Markt drängten, erwarteten von Matter Softwaretempo, in einer Branche, die sich im Tempo von Beton bewegt. Doch dieser zeitliche Fehlschluss war nicht einmal das eigentliche Problem.

Das eigentliche Problem zeigte sich an Messen. An der Light + Building 2024 hörten wir an Stand um Stand dieselbe Frage: «Was ist mit Matter fürs Büro?» Und die Antwort lief, sobald genügend Installateure es ausprobiert hatten, immer auf denselben Schluss hinaus. Ein Bürogebäude liess sich mit Matter nicht bauen.

Zwei Gründe kamen immer wieder zur Sprache:

  • Die Controller von Matter sind Home-Hubs. Sie sind dafür gebaut, einen Haushalt zu verwalten, nicht ein Facility-Team, das Hunderte von Räumen mit unterschiedlichen Mietern und Zutrittsrechten betreut.
  • Büros brauchen Raumsteuerung, die mit dem Rest des Gebäudes spricht: HVAC-Anlagen, Zutrittskontrolle, Notbeleuchtung, die Gebäudeleittechnik. KNX, DALI und BACnet tun das seit Jahrzehnten. Matter wurde nie dafür entworfen.

Nichts davon ist ein Mangel. Matter tut, wofür es entworfen wurde, und genau das zu übersehen, ist der Grund, warum so viele Matter-Portfolios unverkauft blieben. Matter wurde gebaut, um das Durcheinander in der Hausautomation zu lösen, nicht um Standardkriege zu schlichten, die seit Jahrzehnten in Bürogebäuden toben. Die Unternehmen, die diese Positionierung falsch einschätzten, verbrannten einen ganzen Launch-Zyklus, um es auf die harte Tour zu lernen.

Matter abzuschreiben ist derselbe Fehler, wie es zu überverkaufen

Matter ist noch jung. Nicht mehr experimentell, aber auch längst nicht fertig. Wenn du Produkte oder Plattformen darauf aufbaust, so wie wir, steht es aktuell irgendwo zwischen frühem und mittlerem Stadium seines Lebens.

Die Connectivity Standards Alliance hat einen recht berechenbaren Rhythmus gefunden: ein bis zwei Feature-Releases pro Jahr, dazwischen kleinere Point-Releases für Fehlerbehebungen, Sicherheitshärtung und schrittweise Funktionen.

Die Grundlagen gibt es bereits: Licht, Schalter, Steckdosen, Sensoren, Thermostate, Schlösser, Storen. Jedes Release legt eine Schicht darauf:

  • 2024: Ladestationen für Elektroautos und Energiemanagement im Haus (Matter 1.3 und 1.4)
  • 2025: Kameras (Matter 1.5)
  • 2026: NFC-Inbetriebnahme, geteilte Verwaltung über Joint Fabric und Thermostat-Vorschläge (Matter 1.6)

Seine Obergrenze danach zu beurteilen, was es heute kann, ist in beide Richtungen ein Fehler: es zu überverkaufen oder es abzuschreiben.

Wo Matter gewinnt: Räume, die sich wie Wohnungen verhalten

Matter bleibt im Wohnbereich, und das ist richtig so, denn dafür wurde es gebaut. Doch der Grund, warum es in Büros scheitert, zeigt zugleich, wo es funktioniert: in jedem gewerblichen Raum, der zugeschnitten ist wie eine Wohnung. Bei Atios sehen wir die klarste Passung in Hotels und eine kleinere Öffnung in Läden und Restaurants.

Hotels: Hunderte Smart Homes unter einem Dach

Hotels sind heute die stärkste gewerbliche Passung, aus einem einfachen Grund. Ein Gästezimmer ist im Grunde ein Smart Home für sich: ein paar Dutzend Geräte, jeweils eine Belegung zur Zeit, zwischen den Aufenthalten zurückgesetzt. Matter deckt bereits das meiste ab, was ein Zimmer braucht: Lichtszenen, motorisierte Vorhänge, smarte Thermostate, Präsenzmelder, smarte Steckdosen, Luftqualitätssensoren, Fenster- und Türkontakte.

Das scheint dem Büroproblem zu widersprechen, schliesslich hat auch ein Hotel Hunderte von Zimmern. Der Unterschied ist: Ein Hotel braucht Matter nicht, um das Gebäude zu betreiben. Es braucht Matter im einzelnen Zimmer. Korridore, Technikräume, zentrale HVAC, Notbeleuchtung und das Rückgrat, das Hunderte von Zimmern verbindet, bleiben auf Systemen, die für diese Aufgabe gebaut wurden, etwa KNX.

Stell dir einen Gast beim Check-in vor. Er hält seine Schlüsselkarte hin, und das Zimmer reagiert. Die Vorhänge öffnen sich. Das Licht blendet in eine «Welcome»-Szene. Die Temperatur pendelt sich bei 22 °C ein. Der Badventilator springt an, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt. Matter kann die Geräteinteroperabilität dahinter bereits leisten, während das Managementsystem des Hotels die Geschäftslogik darüber liefert und Schlüsselkarten- und TV-Systeme dort bleiben, wo sie sind.

Zwei Funktionen in Matter 1.6 machen das praktikabler. Die NFC-Inbetriebnahme erlaubt es, ein Gerät über NFC einzurichten, bevor es vollständig mit Strom versorgt ist, sodass ein ganzes Stockwerk voller Schalter und Leuchten vorab bereitgestellt werden kann und dem Netzwerk beitritt, sobald der Strom kommt. Joint Fabric erlaubt es mehreren Controllern, dasselbe Matter-Netzwerk zu verwalten, was zu einer Liegenschaft passt, in der Betreiber und Integrator beide Zugriff brauchen. Beides steht jetzt in der Spezifikation; die Unterstützung in ausgelieferten Geräten und Plattformen folgt.

Läden und Restaurants: Keine tausend Steuerpunkte nötig

Läden und Restaurants sind eine kleinere Öffnung, aus demselben Grund: Die meisten brauchen keine tausenden Steuerpunkte. Die Lichtebene bedient Matter gut: Produkte hervorheben, saisonale Szenen, Schaufenster und Szenen, die vom Frühstück über das Abendessen bis zur Reinigung wechseln. Dazu Präsenzerkennung in Lagerräumen und Toiletten, motorisierte Beschattung für Terrassen und Energiemonitoring an smarten Steckdosen, das einen über Nacht laufenden Kühlschrank oder eine Kaffeemaschine auffliegen lässt.

Hör auf, zwischen KNX und Matter zu wählen

Matter ist heute kein vollständiges Gebäudeautomationsprotokoll für Hotels, Läden oder Restaurants. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir dieselbe Überdehnung, die vor ein paar Jahren all diese unverkauften Matter-Portfolios im Regal liegen liess. Aber es bietet bereits eine starke Grundlage für jene Teile dieser Gebäude, die ein Gast, ein Kunde oder ein Restaurantbesucher tatsächlich erlebt.

Genau in diese Lücke zwischen dem, was ein Gast erlebt, und dem Rückgrat des Gebäudes haben wir Atios gesetzt. Die Atios KNX Bridge verbindet eine bestehende KNX-Installation mit Matter. Sie ist Matter-Schnittstelle, KNX-IP-Schnittstelle und KNX-DALI-Gateway in einem Gerät, sodass Licht, Storen und Klima, die bereits auf KNX laufen, in Apple Home, Google Home, Amazon Alexa oder SmartThings auftauchen, ohne dass etwas ersetzt werden muss.

Wo es kein KNX gibt, bringt Atios SmartCore dasselbe Ergebnis in einen einzelnen Raum. Ein Controller mit Relais, Eingängen und DALI-2-Lichtsteuerung betreibt ein Gästezimmer, einen Laden oder ein Restaurant, und er spricht Matter ab Werk.

Wir verlangen von niemandem, KNX gegen Matter einzutauschen oder darauf zu warten, dass Matter es ersetzt. Wir verbinden beides, damit das Gästeerlebnis Matter spricht und das Rückgrat des Gebäudes weiter auf dem Standard läuft, der seit über dreissig Jahren bewiesen hat, dass er Hunderte von Zimmern tragen kann.

Matter betreibt das Zimmer. KNX betreibt das Gebäude.
Jedes Protokoll tut das, wofür es gebaut wurde.

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